Weniger ist Mehr in der digitalen Welt

Ich erinnere mich an einen Kunden, bei dem gefühlt jede Abteilung ihre eigene Lösung hatte. Backup? Drei verschiedene. Fernwartung? Zwei Tools, parallel. Ticketsystem? Selbstgebaut, irgendwann mal. Keiner wusste mehr, was wofür zuständig war und im Notfall wusste es schon gar keiner.
Das Lustige: Die Infrastruktur war technisch gar nicht schlecht. Das Problem war die Schicht drumherum. Zu viel Geschichte, zu viele Kompromisse, zu viele „das haben wir immer so gemacht”-Entscheidungen.
Seitdem denke ich bei jedem neuen Projekt zuerst: Was brauchen wir wirklich?

Minimalismus in der IT ist kein Lifestyle-Trend. Es ist eine Haltung, die direkt beeinflusst, wie sicher und stabil ein System läuft. Weniger Angriffsfläche. Weniger Abhängigkeiten. Weniger Dinge, die um 2 Uhr nachts kaputtgehen können.
Das heißt nicht, auf alles zu verzichten. Es heißt, bewusste Entscheidungen zu treffen und den Mut zu haben, Dinge wegzulassen, auch wenn jemand mal Geld dafür bezahlt hat.
Ich wende das auch auf meine eigene Arbeitsweise an. Ein gutes Skript schlägt drei mittelmäßige Tools. Eine klare Dokumentation schlägt ein komplexes Wiki, das niemand pflegt. Und manchmal ist der beste Fix: nicht noch ein Layer obendrauf, sondern einer weniger.
Weniger ist mehr. Nicht immer, aber öfter als man denkt.